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Oft findet man mehr als einen Fehler, weil sich Kenntnisse und Erfahrungen der ausführenden Unternehmen und Mitarbeiter auf einer Baustelle bis zu einem gewissen Punkt abbilden lassen. Danach ergibt sich oft eine Kette von Fehlern, weil diese im Ansatz nicht mehr erkannt werden.

Nun zum Bild.

Sie sehen einen Rohrleitungsschacht in einem Mehrfamilienhaus-Neubau mit Lüftung (links), Heizungs- und Wasserleitungen (Mitte) und Entwässerung (rechts) in einer Deckendurchführung, welche mit Kernbohrungen in einer Betondecke hergestellt wurde.

Dies sind die Fehler...

Zu sehen ist ein Rohrleitungsschacht in einem Mehrfamilienhaus-Neubau mit Lüftung (links), Heizungs- und Wasserleitungen (Mitte) und Entwässerung (rechts). Die Deckendurchführungen wurden, dem Rohrdurchmesser und der passenden Brand- bzw. Wärmedämmung im Durchmesser entsprechend, mit Kernbohrungen in der Betondecke hergestellt wurde.

Die Brandschottung findet etagenweise statt, also horizontal in jeder Geschoßdecke.

In den Fachrichtlinien und Zulassungen, wie z.B. des Deutschen Institutes für Bautechnik (DiBT), zu den jeweiligen Brandschutzwerkstoffen und -klassen, wird bei einer Brandschottung der Werkstoff mit der niedrigste Brandschutzklasse für die gesamte Brandschottung angewendet.

Schaut man sich nun die ausgeführten Maßnahmen an, so wird man zunächst hochwertige und zugelassenen Mineralwolldämmung bei den Ver- und Entsorgungsleitungen vorfinden. Diese erfüllen den üblichen und derzeit geforderten Brandschutz, sofern die Einbau- und Zulassungskriterien eingehalten werden.

Der eingesetzte Montageschaum wird nach DIN 4102 u.a.in 3 B-Klassen gegliedert:

  • B3 leicht entflammbar
  • B2 normal entflammbar
  • B1 schwer entflammbar

Und da kommt es nun zu dem eigentlichen Problem.

Alle anderen verwendeten Materialien und Brandschutzmaßnahmen, wie z.B. die Dämmschalen, Grußrohrleitung, Stahlrohrleitungen für die Heizung- und Trinkwasserinstallation, Wickelfalzrohr für die Lüftung, usw. bestehen aus nicht brennbaren Materialien. Sind somit von sich aus feuerbeständig.

Die Bezeichnung B steht nach DIN EN 13501-1 für „sehr begrenzter Beitrag zum Brand“. Jedoch sind diese Schäume meist nur bis Temperaturen von +90°C bzw. max. 120°C bis max. 1 Std. beständig.

Bei Bränden entstehen jedoch schnell Temperaturen von 1000°C und mehr, besonders im oberen Bereich der Räume.  Es ist also damit zu rechnen, dass diese den Temperaturen und einem Brandherd nicht viel entgegen zu setzen haben.

Somit wird, wie eingangs bereits ausgeführt, die v.g. Eigenschaften des hier verwendeten Montageschaums für die gesamte Deckenschottung herangezogen und somit ergibt sich leider keine zugelassene Brandschottung für den Anwendungsfall. Daher ist diese zu beanstanden.

Für die Lüftungsanlage werden keine äußeren Brandschottungen gefordert, dafür jedoch eine Maßnahme, welche den Querschnitt im Brandfall vollständig verschließt. Man spricht hier von Quellschotts oder Brandschutzklappen. Diese werden in der Regel unter der Decke oder im Bereich der Betondecke montiert. Haben diese einmal ausgelöst, sind sie nicht mehr zu gebrauchen und müssen ausgetauscht werden.

Die Erläuterung zu den farbigen Hinweispfeilen im Einzelnen:

Gelb: Die Brandschutz-Rohrschale sollte bei einer Deckendicke von >= 150 mm mind. 250 mm lang sein, also ca. 10 cm aus der Decke herausschauen. Dies ist mit ca. 5 cm wie im Bild zu erkennen, nicht der Fall. Je nach anschließender Entwässerungsleitung, kann es im Einzelfall die Anforderung an die Dämmlänge noch länger sein oder auch weitere Brandschutzmaßnahmen erforderlich machen. Des Weiteren fehlt die vorgeschriebene Drahtwicklung um die Dämmung herum im Deckenbereich.

Rot: Wie schon beschrieben, fehlt die Zulassung für die ausgeführte Brandschottung mit dem Montageschaum.

Blau: Brandschottung der Lüftungsleitung wie z.B. Brandschutzklappe oder- Quellschott ist nicht vorhanden, bzw. nicht erkennbar. Wie und ob der Schallschutz ausgeführt wurde, ist durch den Schaum ebenfalls leider nicht mehr zu erkennen.

Grün: Das verwendete Klebeband ist nicht für wind- und dampfdichtigkeit der Verbindungsstellen der Lüftungsleitung geeignet. Hier sind spezielle Bänder, wie zum Beispiel Kaltschrumpfband einzusetzen.

Ergänzend fehlen die technischen Hinweisschilder zu den eingesetzten Brandschottungen mit Einbaudatum, Hersteller und Ersteller.

Zusammenfassung:

Wäre der Schallschutz durchgehend beachtet und die Fugen zwischen Kernbohrung und Rohrleitung bzw. Dämmlage z.B. mit Mörtel oder Brandschutzstopfen verfüllt, sowie die Brandschottung der Lüftungsleitung berücksichtig worden, wäre die Brandschottung wohl nicht zu beanstanden gewesen.

Als Maßnahmen wurde empfohlen, bzw. ergibt sich leider nur der gesamte Montageschaum aus dem Deckenbereich zu entfernen, die Rohrleitungsdämmung wird dies wahrscheinlich nicht unbeschadet überstehen, so dass man diese voraussichtlich komplett entfernen und neu herstellen wird, die Brandschottung und Schallentkopplung der Lüftungsleitung zu kontrollieren und ggf. zu ergänzen, anschließend die Fugen mit Mörtel zu verfugen/verschließen und die erforderlichen Hinweisschilder zu ergänzen.

Man wollte sich offensichtlich eine komplizierte und aufwendige Schalung für die Betonage sparen und hat damit leider ein Vielfaches an Kosten, Zeit und Aufwand erzeugt.

Hätten Sie diesen Umfang erkannt?

Brandschutz ist eine wichtige und oft unterschätzte Maßnahme. Gerade hinsichtlich der wohl noch bekannten Bildern vom 14.06.2017 des Grenfell Tower Brandes in England, bei dem 72 Menschen um Leben kamen. Es begann mit einem defekten Kühlschrank …

Meist finden sich mehr als ein einzelner Fehler, sei es in der Ausführung, Beschaffung, Unterweisung, Planung, usw. Es kann sich eine kausale Kette von Fehlern ergeben, an deren Ende man sie hoffentlich vor einem Schaden entdecken und abstellen kann.

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Dabei ist es aber auch wichtig, nicht nur Mängel aufzuzeigen, sondern auch Lösungen gemeinsam zu erarbeiten, dabei systematisch vorzugehen und mit Empatie Monteuren und Auftragnehmern fachmännisch zu begegnen. Dabei unterstützen wir Sie gerne, es ist ja schließlich Ihr Traumhaus.

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